benjamin weinlich

Journal · Übersicht · Seite 5 von 27

Journal.

Alle Einträge, chronologisch. KI im Werkstattalltag, aus der Praxis einer freien Werkstatt. Lange Stücke und kurze Antworten auf echte Fragen aus dem Betrieb.

Soll ein VPN für Mitarbeiter das ganze Firmennetz öffnen?

Ein VPN für Mitarbeiter sollte nicht das ganze Firmennetz öffnen, sondern nur das, was die Arbeit wirklich braucht. Als wir unser selbst betriebenes NetBird eingerichtet haben, habe ich als Erstes die Standardregel abgeschaltet, die jedem Gerät alles erlaubt. Zwei Kollegen erreichen jetzt den Dateiserver und den Remote-Desktop, aber keine Kameras, keine smarten Steckdosen und keinen Wartungszugang zu den Servern. Jede Erstanmeldung gebe ich außerdem von Hand frei. Ein Tunnel ins Haus ist eine Tür, und eine Tür öffnet man für einen Raum, nicht für das ganze Gebäude.

Sollte jeder Mitarbeiter mit Firmen-Login automatisch per VPN ins Firmennetz dürfen?

Per VPN ins Firmennetz darf bei uns nicht automatisch jeder, der einen Firmen-Login hat. Unser VPN habe ich mit NetBird aufgebaut und an den zentralen Login in Authentik gehängt, und trotzdem landet jede Erstanmeldung zuerst in einer Warteschleife, bis ich sie von Hand freigebe. Die ersten zwei Kollegen bekommen danach genau zwei Ziele: den Dateiserver und den Remote-Desktop, keine Kameras, keinen Serverzugang. Ein Login beweist, wer jemand ist, nicht, wohin er darf.

Kann eine vorhandene Windows-Lizenz entscheiden, ob man den alten Server aufrüstet oder neu kauft?

Eine vorhandene Windows-Lizenz kann die Wahl zwischen Aufrüsten und Neukauf tatsächlich entscheiden. Bevor wir unseren Server im Keller ersetzen, habe ich nachgesehen, welche Lizenz darauf läuft: eine OEM-Lizenz, fest an genau dieses Gerät gebunden. Mit einem neuen Server wäre sie verfallen. Rüsten wir das alte Gerät mit neuem Prozessor und SSDs auf, deckt sie Terminalserver und Domänencontroller ab. So kostet der Umbau samt Lizenzen höchstens zweitausenddreihundert Euro statt rund achttausendvierhundert für einen neuen Server. Die teuerste Zeile steht oft nicht auf der Hardware-Rechnung.

Darf eine Automatik auf ein einziges Signal hören, bevor sie etwas abschaltet?

Eine Automatik, die etwas abschaltet, sollte nicht auf ein einziges Signal hören. Ich habe zu Hause Home Assistant auf einem ausgemusterten Industrie-PC aus unserem Showroom eingerichtet, und das Licht sollte ausgehen, sobald mein Handy nicht mehr im WLAN antwortet. Am ersten Abend ging es mehrfach aus, während ich auf dem Sofa saß, denn das Handy schläft im Standby und schweigt einfach. Heute gelte ich erst als weg, wenn es drei Minuten lang still bleibt und das Handy zusätzlich ein fremdes WLAN meldet. Schweigen ist kein Beweis für Abwesenheit.

Warum hört man beim Anrufen vom Handy keinen Freiton, obwohl die Telefonanlage ihn schickt?

Keinen Freiton hört man am Handy manchmal, obwohl die Telefonanlage ihn sauber schickt, weil die App ihn schlicht nicht abspielt. Bei uns blieb die Telefon-App Groundwire an unserer AGFEO-Anlage stumm, bei internen wie externen Rufen. Ein Mitschnitt im Netzwerk zeigte, dass der Ton bis ans Handy kam, und eine zweite App auf demselben Gerät spielte genau diesen Strom ab. Damit war das Netz entlastet, bevor ich eine einzige Einstellung daran verändert hatte. Wer erst misst, wo etwas verloren geht, repariert nicht das Falsche.

Warum ich eine Aussage über unsere Internetleitung zurücknahm

Eine Aussage über unsere Internetleitung habe ich zurückgenommen, weil sie nur auf einer einzigen Messzeile beruhte. Am Vortag hatte ich geschrieben, zwei Drittel der Störungen entstünden beim Anbieter. Dann merkte ich, dass meine Kontrollmessung dasselbe Ziel nur ein zweites Mal abfragte und damit gar keinen zweiten Weg prüfte. Von 52 Zeilen waren nur 21 verwertbar, und sie zeigten ein gemischtes Bild: abends lag die Störung beim Anbieter, nachmittags nicht. Eine Zahl, die sich gut anfühlt, ist noch kein Befund.

Warum findet die KI bei langen Rechnungen so selten den Betrag?

Dass die KI bei langen Rechnungen so selten den Betrag findet, lag bei uns nicht an der KI, sondern am Scanner. Ab fünf Seiten war nur bei fünfzehn Prozent ein Betrag erfasst, bei kurzen Rechnungen bei neunundsechzig. Ich vermutete die Summe auf der letzten Seite und habe an acht Belegen nachgemessen: Mit der Umstellung fand die KI fünf statt sechs Beträge, es wurde also schlechter. Die Dokumente mit bis zu vierundzwanzig Seiten waren in Wahrheit Stapel aus mehreren Rechnungen, eingescannt ohne Trennblatt. Manchmal gehört die Korrektur nicht in den Code, sondern an den Scanner, auf den der Beleg gelegt wird.

Warum fällt die Nachtsicherung aus, wenn abends ein Arbeitsplatz offen bleibt?

Die Nachtsicherung fällt aus, wenn abends ein Arbeitsplatz offen bleibt, und das passiert ganz still. Unser Werkstatt-Programm Loco-Soft sichert seine Daten nachts selbst. Ist aber noch ein Rechner angemeldet, wartet es endlos darauf, dass die Datei freigegeben wird, und meldet keinen Fehler. So fehlten in knapp vier Wochen neun Nächte, während unsere beiden anderen Sicherungen die ganze Zeit grün meldeten. Seit heute prüft ein kleiner Wächter jeden Morgen, ob eine frische Sicherungsdatei da ist. Grün heißt nur, dass alles in Ordnung ist, was man auch wirklich prüft.

Soll man funktionierende Software umbauen, damit sie ordentlicher wird?

Funktionierende Software baue ich nicht um, nur damit sie ordentlicher aussieht. Das tue ich erst, wenn ein konkreter Schaden es verlangt. Der teuerste Fehler in unserem Dokumentenarchiv hatte mit der Struktur gar nichts zu tun: Die Anweisung an das lokale Modell über Ollama war neunmal größer, als das Modell überhaupt lesen konnte, und statt 78 Prozent der Felder kamen nur 3 Prozent richtig heraus. Das lief monatelang so, weil nichts hinsah. Zehn Zeilen Wächter hätten es am ersten Tag gezeigt, ein schöner Umbau dagegen nie.

Erzählt man den Kollegen, wie schlecht die alte Lösung war, wenn man eine bessere einführt?

Wie schlecht die alte Lösung war, erzählt man den Kollegen bei einer Verbesserung besser nicht. Man zeigt, was die neue kann. Ich hatte die neue Belegerkennung in unserem Dokumenten-System zuerst mit dem ehrlichen Aufmacher angekündigt: von drei auf neunzig Prozent. Für die Kollegen war die alte Schwäche aber keine nützliche Information. Sie hätte nur das Vertrauen in ein System untergraben, mit dem sie jeden Tag arbeiten sollen. Die Fehleranalyse gehört ins Änderungsprotokoll, in die Rundmail gehört das Können.

Ist ein größeres KI-Modell automatisch das bessere?

Ein größeres KI-Modell ist nicht automatisch das bessere, das zeigt erst eine Messung an den eigenen Daten. Für unser Dokumentenarchiv habe ich vier lokale Modelle über Ollama an 24 echten Belegen antreten lassen, jeweils zweimal. Das kleine Qwen traf neunzig Prozent der Sollwerte, das bisherige Gemma einundachtzig, und die Fahrgestellnummer erkannte Qwen in allen 21 Fällen. Die doppelt so große Qwen-Variante war langsamer und schlechter zugleich. Welches Modell passt, sagt kein Datenblatt, das sagt nur der eigene Stapel Belege.

Warum hielt unsere Software das Wort Kilometerleistung für eine Fahrgestellnummer?

Unsere Software hielt das Wort Kilometerleistung für eine Fahrgestellnummer, weil sie nur Länge und Zeichen prüfte. Das Wort hat zufällig genau siebzehn Buchstaben, so viele wie eine echte Fahrgestellnummer. Beim Digitalisieren alter Werkstattakten landeten dadurch Belege in der falschen Akte, dazu kamen Nummern aus lauter Einsen. Heute verwirft die Automatik jede Nummer, die nicht plausibel ist. Ein Hinweis darauf sind die Buchstaben I, O oder Q, denn die kommen in echten Fahrgestellnummern nie vor. Die richtige Form beweist noch keinen richtigen Inhalt.

Merkt man es, wenn man einer lokalen KI zu viel Text auf einmal gibt?

Wenn man einer lokalen KI zu viel Text gibt, merkt man es nicht, denn sie schneidet ihn still ab. In unserem Dokumentenarchiv zählte die Anweisung an Ollama alle über siebentausend Absender namentlich auf. Das Modell las nur den Anfang, die eigentliche Aufgabe und der Beleg selbst fielen heraus. Bei vierundzwanzig echten Belegen stimmten drei Prozent der Felder. Danach haben wir die Liste aus der Anweisung genommen und das Textfenster ausdrücklich größer eingestellt, seitdem sind es achtundsiebzig. Die gefährlichste Grenze ist die, die keine Fehlermeldung wirft.

Widerlegt eine unauffällige Nachmessung die Störungsmeldung eines Kollegen?

Eine unauffällige Nachmessung widerlegt die Störungsmeldung eines Kollegen nicht. Als bei uns wieder über Aussetzer beim Telefonieren geklagt wurde, zeigte meine Messung zwanzig Minuten später eine völlig ruhige Leitung. Das Protokoll unseres Dauermonitors sagte etwas anderes: fünfzehn Störungsphasen zwischen Viertel vor acht und elf Uhr, Schwankungen bis 58 Millisekunden. Solche Fehler kommen und gehen in Minuten, wie ein sporadischer Fehler, der bei der Probefahrt nie auftritt. Wer nur im Moment misst, gibt am Ende dem Falschen recht.

Wem ordnet man eine alte Werkstattrechnung zu, dem Halter des Autos oder dem, der sie bezahlt?

Eine Werkstattrechnung gehört zu dem, der oben im Rechnungskopf als Debitor steht, nicht automatisch zum Halter des Autos. Beim Import von 1.593 alten Rechnungen in unser Dokumentenarchiv lagen 65 beim falschen Kunden, weil die Automatik im Zweifel den Halter nahm. Bei Garantiefällen zahlt aber der Hersteller, bei frisch verkauften Autos schon der neue Käufer, und manchmal zahlt der Fahrer selbst statt seiner Firma. Wem das Auto gehört und wer die Rechnung bezahlt, sind zwei verschiedene Fragen.

Warum klingelt die Telefon-App auf dem Handy nicht, obwohl sie an der Anlage angemeldet ist?

Die Telefon-App klingelt trotz Anmeldung nicht, weil sich ab Werk oft gar nicht die App selbst anmeldet, sondern ein Cloud-Dienst des Herstellers an ihrer Stelle. Bei uns zeigte Groundwire an unserer AGFEO-Anlage einen grünen Haken, und trotzdem kam kein einziger Anruf durch, denn dieser Cloud-Dienst erreicht eine Anlage, die nur im Firmennetz steht, nie. Ein anderes Programm auf demselben Handy klingelte sofort, und nach der Umstellung auf direkte Anmeldung auch Groundwire. Ein grünes Lämpchen zeigt nur, dass sich jemand angemeldet hat, nicht wer.

Warum ich zwei Leitungen nur gleichzeitig vergleiche

Zwei Netzwerkwege vergleiche ich nur noch gleichzeitig, seit ich mich dabei selbst getäuscht habe. Ich hatte die Verbindung ins Internet und zum ersten Router des Anbieters nacheinander gemessen, zehn Sekunden auseinander, und 31,9 gegen 2,6 Millisekunden Schwankung sah wie ein Freispruch für den Anbieter aus. Parallel gemessen kehrte sich das Bild um: Rund zwei Drittel der Schwankung entstehen in seinem Zugangsnetz. Ich hatte Zeitpunkte verglichen statt Wege. Wer eine Ursache belegen will, muss erst ausschließen, dass er nur die Uhr gemessen hat.

Hilft ein Neustart des Rekorders, wenn alle Überwachungskameras gleichzeitig schwarz sind?

Ein Neustart des Rekorders hilft nicht, wenn alle Kameras gleichzeitig schwarz sind, denn dann fehlt meist der Strom, nicht die Software. Unsere Kameras bekommen ihren Strom über das Netzwerkkabel vom Rekorder, und das Protokoll zeigte eine Störung genau dieser Versorgung, vermutlich ein Kurzschluss an einem einzigen Kanal. Sechs Tage lang hat es niemand bemerkt. Erst als ich alle Kabel abgezogen und wieder eingesteckt habe, kam das Bild zurück. Fällt alles auf einmal aus, sucht man das, was alle gemeinsam haben.

Wie repariert man Dutzende falsch zugeordnete Belege, ohne dabei neue Fehler einzubauen?

Dutzende falsch zugeordnete Belege repariert man, indem die Automatik nur die eindeutigen Fälle korrigiert und alle übrigen als Liste für den Menschen ablegt. In unserem Dokumentenarchiv mit Paperless lagen rund einundvierzig Belege aus Kundenakten beim eigenen Betrieb statt beim Kunden, dazu siebenundzwanzig mit einer unsinnigen Fahrgestellnummer. Die Korrektur holt sich die richtigen Werte aus den anderen Belegen derselben gescannten Akte, aber nur, wenn diese sich einig sind, und jede Änderung landet in einem Protokoll. Eine Reparatur, die rät, ist nur der nächste Fehler mit besserem Gewissen.

Wie lange dauert es, ein großes Fotoarchiv auf den eigenen Server hochzuladen?

Wie lange der Umzug eines Fotoarchivs auf den eigenen Server dauert, entscheidet nicht der Server, sondern die eigene Internetleitung. Unser Speicher bei Hetzner schreibt gut hundert Megabyte pro Sekunde, unsere DSL-Leitung schafft beim Hochladen aber nur 4,3. Für die knapp dreihundert Gigabyte meines privaten Archivs heißt das rund zwanzig Stunden reine Übertragung, also ein Wochenende statt einer Mittagspause. Wer so einen Umzug plant, misst zuerst den Upload und erst dann die Festplatte.