benjamin weinlich

Journal · Übersicht · Seite 8 von 27

Journal.

Alle Einträge, chronologisch. KI im Werkstattalltag, aus der Praxis einer freien Werkstatt. Lange Stücke und kurze Antworten auf echte Fragen aus dem Betrieb.

Warum half es nicht, viermal eine neue Sicherungsplatte zu kaufen?

Viermal eine neue Sicherungsplatte zu kaufen half nicht, weil der Fehler nie in der Platte saß, sondern im Weg dorthin. Seit März kamen bei uns vier neue USB-Platten, trotzdem stand die nächtliche Serversicherung seit dem 8. August still. Das Protokoll zeigte, dass die Platte an einem einzigen Tag rund 550 Mal getrennt und neu erkannt wurde, ein Aussetzer in der Durchreichung zum virtuellen Server. Jeder Mechaniker kennt das vom Sensor, der dreimal getauscht wird, obwohl der Kabelbaum schuld ist.

Warum reißt das Gespräch mit dem Funktelefon auf dem Hof ab, obwohl überall WLAN ist?

Auf dem Hof reißt das Gespräch ab, weil das Funktelefon bei jedem Wechsel der Funkzelle eine komplette Neuanmeldung machte. Auf unserem Platz stehen drei Zugangspunkte, und das schnelle Umschalten zwischen ihnen war zwar am Netz aktiv, im Grandstream-Handset selbst aber ab Werk abgeschaltet. Dazu drängte die Automatik das Gerät auf das Funkband mit der kürzesten Reichweite, obwohl ein Gespräch nur rund hundert Kilobit braucht. Eine Einstellung, die nur eine Seite kennt, verbindet niemanden.

Wohin schreibt man eine Anleitung, die alle Mitarbeiter lesen sollen?

Eine Anleitung, die alle Mitarbeiter lesen sollen, schreibt man dorthin, wo sie ohnehin jeden Tag hinschauen. Ich hatte unsere Anleitung zum Dokumentenarchiv zuerst in die Versionsverwaltung gelegt, sauber geschrieben und trotzdem wirkungslos, denn keiner meiner fünfzehn Mitarbeiter öffnet Forgejo. Jetzt steht sie im Mitarbeiterhandbuch in Nextcloud, direkt neben den Ordnern, die den ganzen Tag offen sind. Eine Dokumentation am falschen Ort ist keine Dokumentation, sondern ein Selbstgespräch.

Reicht eine Vermutung, um beim Internetanbieter eine Störung zu reklamieren?

Eine Vermutung reicht nicht, man braucht eine Messung, die Zeitpunkt und Ausmaß festhält. Unser Internet war seit Mitte Juli immer wieder zäh, aber einundfünfzig Tage lang hat niemand gemessen, weil das alte Prüfskript keine echte Systemd-Unit war und nach sechs Stunden von selbst ausstieg. Seit es als Dienst mit Neustart-Garantie läuft und alle zehn Sekunden Verlust, Latenz und Jitter mitschreibt, standen nach anderthalb Stunden sechs belegte Störungen im Protokoll, darunter zehn Prozent Paketverlust. Wer nicht misst, verhandelt mit Gefühlen.

Hilft ein Neustart der Telefonanlage, wenn mehrere Kollegen Störungen melden?

Ein Neustart der Telefonanlage hilft nicht, solange niemand geprüft hat, ob sie überhaupt krank ist. Bei uns hieß es morgens, die Anlage sei ausgefallen; in Wahrheit hing ein einzelnes WLAN-Handset draußen am Platz zwischen drei Funkzellen und meldete sich bei jedem Wechsel komplett neu an. Die Anlage selbst war in unter einer Minute freigemessen, Erreichbarkeit, Oberfläche und Telefonie-Port antworteten alle drei sauber. Der Neustart hat nichts repariert, weil nichts kaputt war. Wer zuerst die große Kiste neu startet, verliert die Spur zum kleinen Gerät.

Beweist eine unveränderte Antwortzeit, dass eine Maßnahme nichts gebracht hat?

Eine unveränderte Antwortzeit beweist nicht, dass die Maßnahme nichts gebracht hat, sondern oft nur, dass man das Falsche gemessen hat. Nach dem Umbau des Funknetzes für unser Werkstatt-Telefon lag die Ping-Zeit vorher bei 169 und nachher bei 174 Millisekunden, also praktisch gleich. Ein Ping läuft aber als gewöhnlicher Verkehr, während das Gespräch bevorzugt behandelt wird; die Verbesserung konnte in dieser Zahl gar nicht auftauchen. Belastbar war erst der Testanruf beim Gang über den Platz. Eine ehrliche Zahl zur falschen Frage bleibt eine falsche Antwort.

Ist die Telefonanlage kaputt, wenn es heißt, sie sei ausgefallen?

Wenn es heißt, die Telefonanlage sei ausgefallen, ist die Anlage oft gar nicht die Ursache. Bei uns kam genau diese Meldung, und der Neustart der Anlage half nicht, weil an ihr nichts kaputt war. Tatsächlich hatte ein einzelnes WLAN-Telefon auf dem Außengelände eine schlechte Verbindung: Es musste sich bei jedem Wechsel zwischen drei Funkpunkten neu anmelden. Heute prüfe ich die Anlage zuerst in sechzig Sekunden mit drei kurzen Tests, bevor jemand den Stecker zieht. Die Meldung beschreibt, was der Mensch erlebt, nicht, wo der Fehler sitzt.

Woran erkennt man in einer Minute, ob die Telefonanlage wirklich ausgefallen ist?

Ob die Telefonanlage wirklich ausgefallen ist, klärt man in einer Minute, bevor jemand den Stecker zieht. Bei uns kam die Meldung Telefonanlage ausgefallen, und ich habe die AGFEO ES 546 angepingt und geprüft, ob sie Weboberfläche und Telefonie noch annimmt. Alle drei Prüfungen antworteten, die Anlage war gesund, der Neustart davor hatte nichts repariert, weil nichts kaputt war. In Wahrheit hing ein einziges Funktelefon auf dem Schotterplatz schlecht im Netz. Wer die Meldung für die Ursache hält, repariert das Falsche.

Warum hören die Beschwerden nicht auf, obwohl die Ursache gefunden ist?

Die Beschwerden hören nicht auf, weil es oft zwei Ursachen gleichzeitig sind und man nur eine davon behoben hat. Ich hatte unsere Telefonprobleme dem WLAN am Arbeitsplatz zugeschrieben und die Leitung freigesprochen. Dann maß der neue Monitor auf der DSL-Strecke dreiundneunzig Millisekunden Latenz bei fast fünfundzwanzig Millisekunden Jitter, während Fritzbox und Telefonanlage sauber blieben. Es war beides. Wer bei der ersten plausiblen Ursache aufhört, repariert die Hälfte und wundert sich über den Rest.

Datenblatt oder eigene Messung, wenn man neue Technik bewertet?

Wenn man neue Technik bewertet, zählt die eigene Messung am Einsatzort mehr als das Datenblatt. Wir haben einen neuen WLAN-Zugangspunkt in der Anmeldung montiert, und auf dem Papier hatte der alte sogar die stärkeren Antennen, acht statt sechs dBi. Am Arbeitsplatz selbst sah es umgekehrt aus: rund minus sechsundfünfzig statt minus dreiundsechzig dBm, also spürbar besseres Signal. Ein Datenblatt beschreibt ein Gerät im Labor, die Messung beschreibt es an dem Ort, an dem es arbeiten muss.

Warum ich vor einer Kaufempfehlung erst den Bestand messe

Vor einer Empfehlung mit Kostenfolge messe ich künftig zuerst den Ist-Zustand, statt nur die Neugeräte untereinander zu vergleichen. Ich habe zu einem Zugangspunkt für rund dreihundert Euro geraten und nie geprüft, was das vorhandene Gerät leistet, obwohl die Signalstatistik die ganze Zeit auf einem Server lag, auf den ich Zugriff hatte. Die spätere Messung entlastete den Kauf, aber das war Glück, nicht Methode. Wer auf mein Urteil Geld ausgibt, muss sich darauf verlassen können, dass ich vorher hingesehen habe.

Kann eine Domain offline sein, obwohl der Server einwandfrei läuft?

Eine Domain kann offline sein, obwohl der Server einwandfrei läuft. Bei einer unserer Domains zeigte der Delegationseintrag bei Hetzner auf drei Namensserver, die diese Domain gar nicht kannten, und jede Anfrage von außen lief ins Leere. Der Webserver war gesund, die Seite fertig ausgeliefert, nur fand kein Besucher den Weg dorthin. Aufgefallen ist es erst zwei Monate später, als ich alle Domains einzeln von außen durchprüfte. Ein gesunder Server sagt nichts darüber, ob jemand bei ihm ankommt.

Kann ein Abgleich Dateien als fehlend melden, die bewusst weggeschlossen sind?

Ein Abgleich kann Bilder als fehlend melden, die ich selbst bewusst weggeschlossen habe. Private Aufnahmen schiebe ich in unserem Fotoarchiv Immich in einen gesperrten Ordner, und der ist für jede Abfrage über die Schnittstelle unsichtbar. Die Liste der angeblich fehlenden Motive führte sie deshalb wieder auf, ein Massenimport hätte sie zurück in die offene Galerie geholt. Heute halte ich zwei Listen gegeneinander: Was im Papierkorb steht, ist gelöscht, was aus jeder Abfrage fällt, ist gesperrt. Nicht jede Lücke ist ein Verlust.

Warum stand ein geplanter Ausfall meines Anbieters nicht auf dessen Störungsseite?

Ein geplanter Ausfall steht nicht auf der Störungsseite, weil er dort gar nicht als Störung geführt wird, sondern unter angekündigter Wartung. Hetzner hatte die Arbeiten an einem Netzwerkverteiler im Rechenzentrum für eine Stunde angekündigt, samt Anweisung, die angehängten Speicher vorher abzutrennen. Die Mail lag ungelesen, und vier Minuten nach Beginn des Fensters standen unsere Seiten. Eine Ankündigung, die niemand liest, ist für den Betrieb dasselbe wie keine.

Kann eine Bilddatei mit richtiger Größe und richtigem Datum trotzdem leer sein?

Eine Bilddatei kann mit richtiger Größe und richtigem Datum trotzdem leer sein. Nach einem Dateisystemschaden lagen in unserem Bildarchiv Fotos, bei denen Name, Aufnahmedatum und drei Megabyte Größe stimmten, im Inneren aber nur ein winziges fremdes Vorschaubild steckte und der Rest aus Nullen bestand. Beim Durchgang durch knapp zwanzigtausend Bilder habe ich achtzig solcher Hüllen gefunden, die jede Übersicht als heil gezählt hat. Eine Sicherung, die nur Namen und Größen vergleicht, sichert am Ende die Verpackung.

Muss man jede Datei ganz lesen, um ein großes Archiv zu prüfen?

Ganz lesen muss man keine Datei, wenn man weiß, an welcher Stelle der Schaden sichtbar wird. Ein vollständiges JPEG trägt am Ende eine feste Abschlussmarke, also habe ich von jedem der 19.991 Archivbilder nur das letzte Kilobyte geholt statt der kompletten Datei: rund zwanzig Megabyte Prüfaufwand statt vieler Gigabyte, und genau ein Bild war am Ende wirklich unlesbar. Wer die Stelle kennt, an der ein Fehler auftauchen muss, spart sich den Blick auf alles andere.

Fehlen in einem alten Datenbestand einzelne Dateien oder ganze Zeiträume?

In einem alten Datenbestand fehlen selten einzelne Dateien, es fehlen ganze Zeiträume. Ich habe 3.154 Rohbilder von einer Archivplatte entwickelt und gegen mein Bildarchiv in Immich abgeglichen: 2.753 waren längst vorhanden, nur 401 waren neu. Und die verteilten sich fast alle auf drei Tage, an denen der Import damals abgebrochen sein muss. Wer nach Einzelstücken sucht, findet nichts. Wer nach Lücken im Kalender sucht, findet den Schaden.

Wie tauscht man tausende Dateien auf einmal aus, ohne den Rückweg zu verlieren?

Tausende Dateien tauscht man nur aus, wenn jeder einzelne Schritt protokolliert ist und die alten Fassungen noch liegen. In unserem selbst betriebenen Fotoarchiv Immich habe ich 2.675 Kamerabilder durch meine eigenen Entwicklungen ersetzt, jedes mit alter Kennung, neuer Kennung und zugehörigen Alben in einer Protokolldatei. Über fünfunddreißig Alben ging dabei keine einzige Zuordnung verloren, und bis Anfang Oktober kann ich alles zurückdrehen, weil die Originale noch im Papierkorb liegen. Ein Rückweg mit Frist gehört in den Kalender, sonst ist er keiner.

Reicht es, Rohdateien zu archivieren, wenn kein gewöhnliches Programm sie anzeigt?

Rohdateien allein reichen als Archiv nicht, wenn kein gewöhnliches Programm sie öffnet. Auf einer alten Platte lagen 3.151 Rohbilder mit 52,7 Gigabyte, davon 1.791 ohne jedes sichtbare Gegenstück, und mein Rechner zeigte das eine Herstellerformat von Haus aus an, das andere nicht. Ich habe deshalb jede Datei einmal in ein gängiges Bildformat entwickelt und beides behalten, das Rohe und das Lesbare, die Entwicklungen liegen jetzt in Immich. Ein Archiv, das nur ein bestimmtes Programm lesen kann, ist eine Wette auf dieses Programm.

Wie lange bleibt ein Rückweg offen, den nur ein Papierkorb sichert?

Ein Rückweg, den nur ein Papierkorb offen hält, bleibt genau so lange offen, wie dessen Frist läuft. Ich habe in unserer Fotoverwaltung Immich 2.675 Kamera-Bilder durch eigene Entwicklungen ersetzt, mit Protokoll über alte und neue Kennung, damit sich jeder einzelne Schritt zurücknehmen lässt. Nur liegen die Originale im Papierkorb, und der räumt nach dreißig Tagen von selbst auf. Seitdem steht das Ablaufdatum im Kalender und nicht im Kopf. Ein Rückweg mit Verfallsdatum ist nur so lange einer, wie jemand das Datum kennt.