benjamin weinlich

Journal · Fragen · Seite 3 von 24

Fragen & Antworten.

Kurze, konkrete Antworten auf echte Fragen aus dem Betrieb. Jede Notiz löst ein reales Problem.

Was macht man mit einem Hilfswerkzeug, das nur für einen Abend gebraucht wurde?

Ein Hilfswerkzeug, das nur für einen Abend gebraucht wurde, baut man am selben Abend wieder ab, und zwar vollständig. Um 768 alte Google-Kontakte in unser eigenes Stalwart-Postfach zu holen, habe ich mir eine kleine Sortier-Seite gebaut: 207 behalten, 203 ins Archiv, 359 in den Papierkorb. Danach habe ich Seite, Login-Anbindung, Zugangspasswort und Adresse wieder gelöscht. Nur der Papierkorb bleibt vorerst voll, und die Kopie bei Google bleibt noch ein paar Wochen als Sicherheitsnetz. Eine offene Tür, die niemand mehr benutzt, bemerkt zuerst ein Fremder.

Kann man einer KI glauben, wenn sie sagt, eine App kann etwas nicht?

Wenn eine KI sagt, eine App kann etwas nicht, sollte man trotzdem kurz selbst am Gerät nachsehen. Als ich mein Handy auf unseren eigenen Stalwart-Server umstellte, um 769 Kontakte von Google wegzuholen, behauptete die KI, die Kontakte-App von Google könne nur bei Google speichern, und schlug eine zusätzliche App vor. Ein Blick in die Auswahl zeigte das eigene Adressbuch als Speicherort, die Zusatz-App war überflüssig. Ein Nein klingt vorsichtig, ist aber genauso eine Behauptung wie ein Ja.

Wie baut man ein Werkzeug, das man nur ein paar Tage braucht?

Ein Werkzeug, das man nur ein paar Tage braucht, baut man am besten zusammen mit seinem Abbauplan. Als ich 768 Kontakte aus Google in unseren eigenen Mailserver Stalwart umgezogen habe, entstand zum Ausdünnen eine kleine Sortierseite mit drei Knöpfen: Behalten, Archiv, Papierkorb. Gelöscht wird dort nichts, nur verschoben. Noch am selben Tag stand die Abbau-Liste mit sechs Schritten daneben, von der eigenen Subdomain bis zum Anmeldezugang. Ein Provisorium ohne Abbauplan wird zum Dauerzustand, den niemand mehr bewacht.

Soll man ein verdächtiges Programm sofort umbauen oder es erst einen Abend lang pausieren?

Ein verdächtiges Programm pausiert man erst einen Abend lang, bevor man es umbaut. Die nächtliche Datensicherung von Loco-Soft hing seit Wochen. Unser eigenes Abfrageprogramm, das alle fünf Minuten Daten holt, schien der klare Täter zu sein. Statt den Code zu ändern, habe ich es für dreißig Minuten rund um die Sicherung angehalten. Die Sicherung hing trotzdem, an drei Abenden hintereinander. Ein Verdacht, der sich gut anfühlt, ist noch kein Befund, und ein billiger Test erspart einen teuren Umbau am falschen Teil.

Wie viel plant man selbst, wenn ein Fachmann vor Ort die Arbeit macht?

Wenn ein Fachmann vor Ort die Arbeit macht, plant man selbst nur so viel, wie man auch wirklich prüfen kann. Für die Elektrik im Haus meiner Mutter in Thailand hatte ich mit KI-Hilfe Stromkreise, Schutzschalter und eine zweisprachige Foto- und Mess-Checkliste ausgearbeitet, ohne Elektro-Schein und ohne ein Wort Thai. Irgendwann merkte ich, dass ich mich verrannt hatte. Jetzt bekommt der Elektriker eine einzige Seite auf Thai und Deutsch mit wenigen Pflichtpunkten, etwa einem Fehlerstromschutz pro Kreis und einem Überspannungsschutz. Ein Plan, den man nicht kontrollieren kann, ist kein Plan, sondern Misstrauen auf Papier.

Kann man eine Elektroinstallation planen, bevor man das Typenschild des Stromzählers kennt?

Eine Elektroinstallation plane ich erst zu Ende, wenn ich das Typenschild des Stromzählers gesehen habe. Für das Haus meiner Mutter in Thailand hatte ein früherer KI-Chatverlauf einen Zähler mit 15 Ampere angenommen und nebenbei deutsche Erdungsregeln auf thailändische Verhältnisse übertragen. Die Stromrechnung passt aber exakt zum kleinsten Tarif, der Zähler hat also vermutlich nur ein Drittel davon. Deshalb gibt es keine Materialliste und keine Anfrage an den Elektriker, bevor das Foto da ist. Eine Rechnung auf einer Annahme ist nur eine gut formatierte Vermutung.

Ist eine Protokollmeldung harmlos, nur weil sie nach Verbesserung klingt?

Eine Protokollmeldung ist nicht harmlos, nur weil sie nach Verbesserung klingt. Beim Umzug unserer Google-Fotos nach Immich stand im Protokoll freundlich, eine Datei auf dem Server sei aufgewertet worden. Dahinter steckte etwas anderes: Das Import-Werkzeug hielt Original und bearbeitete Fassung für dieselbe Datei und ersetzte jeweils eine davon, bei 155 Originalen und 80 Bearbeitungen. Ich habe alle einzeln zurückgeholt. Ein freundliches Wort im Protokoll kann einen Verlust beschreiben.

Kann ein Handywechsel eine Datensicherung abschalten, ohne dass man es merkt?

Ein Handywechsel kann eine Datensicherung abschalten, und zwar ohne jede Meldung. Für unser privates Fotoarchiv in Immich, rund 36.000 Bilder, galt die Annahme, dass iCloud von jedem neuen Foto eine Zweitkopie hält. Seit ich vom iPhone auf ein Android-Handy gewechselt habe, kommt dort aber nichts Neues mehr an. Gemerkt habe ich das erst, als ich den Umzug der alten Bilder geplant habe. Eine Sicherung, die an einem Gerät hängt, endet mit dem Gerät.

Was repariert man, wenn mehrere Programme gleichzeitig ausfallen und die Störung beim Rechenzentrum liegt?

Wenn mehrere Programme gleichzeitig ausfallen und die Störung beim Rechenzentrum liegt, repariert man selbst gar nichts, man wartet und schützt die Arbeit, die gerade läuft. Bei uns standen an einem Vormittag Dokumentenarchiv, OpenProject und Fotoarchiv zugleich still, achtundsechzig Minuten lang, während die Datenbank dahinter die ganze Zeit gesund war. Die Statusseite von Hetzner meldete eine gestörte Netzverbindung zwischen unseren Servern. Ich habe nur die Anmeldung gebeten, das Scannen zu pausieren. Fallen mehrere Dinge zugleich aus, liegt der Fehler selten in ihnen, sondern in dem, was sie verbindet.

Schützt ein VPN im Hotel-WLAN alles, was das Gerät sendet?

Ein VPN schützt im Hotel-WLAN nicht automatisch alles, was das Gerät sendet. Für Reisen habe ich in unserem selbst betriebenen NetBird einen Ausgang über den eigenen Server eingerichtet und mit Laptop und Handy getestet. Der Datenverkehr lief sauber durch den Tunnel, die Namensabfragen aber nicht, also die Frage, welche Seite ich gerade aufrufen will. Dafür war im VPN nur die interne Firmenadresse hinterlegt. Jetzt verschlüsselt das Gerät diese Abfragen selbst. Ein Tunnel schützt nur, was man auch hineinlegt.

Synchronisiert eine geräteübergreifende Zwischenablage auch Passwörter?

Eine geräteübergreifende Zwischenablage synchronisiert auch Passwörter, denn sie unterscheidet nicht zwischen einem Satz und einem Geheimnis. Beim Einrichten von SyncClipboard über unsere Nextcloud habe ich ein frisch erzeugtes Gerätepasswort kopiert. Kurz darauf lag es auf allen drei Geräten, in den Dateiversionen der Nextcloud und im Klartext im Protokoll des Linux-Rechners. Ich habe den Eintrag überschrieben, das Protokoll geschwärzt und das Passwort zum Austausch vorgemerkt. Bequemlichkeit, die alles mitnimmt, nimmt auch das mit, was nie reisen sollte.

Darf man eine Reparatur über Nacht unbeaufsichtigt laufen lassen?

Eine Reparatur darf man erst dann unbeaufsichtigt über Nacht laufen lassen, wenn ein Pilot bei Tageslicht geprüft und abgenommen ist. Bei 388 zusammengeklebten Scans in unserem Dokumentenarchiv habe ich zuerst achtzehn reparierte Teile von Hand kontrolliert. Danach lief der Rest nachts: 350 fertig, null Mängel. Die übrigen 38 scheiterten um sechs Uhr am täglichen Neustart des Archivs, zum Glück ohne Schaden. Seitdem endet das Fenster vorher, und bei einem Serverfehler hält der Lauf an. Wer nachts arbeiten lässt, muss wissen, wer nachts sonst noch arbeitet.

Kopiert eine geräteübergreifende Zwischenablage auch Passwörter mit?

Eine geräteübergreifende Zwischenablage kopiert auch Passwörter mit, denn sie unterscheidet nicht, was man kopiert. Beim Einrichten von SyncClipboard über unsere Nextcloud habe ich ein frisch erzeugtes Zugangspasswort kopiert. Wenig später lag es auf allen drei Geräten, in der Cloud samt alten Dateiversionen und im Klartext im Protokoll des Linux-Rechners. Ich habe die Einträge überschrieben, das Protokoll geschwärzt und das Passwort zum Tausch vorgemerkt. Ein Werkzeug, das alles mitnimmt, nimmt auch das mit, was man nie teilen wollte.

Was passiert mit der Arbeit, wenn der Laptop auf Reisen gestohlen wird?

Wenn der Laptop auf Reisen gestohlen wird, passiert mit der Arbeit wenig, sofern der eigentliche Arbeitsplatz gar nicht im Laptop steckt. Vor meiner Reise nach Thailand habe ich meinen täglichen Arbeitsplatz auf einen gemieteten Server bei Hetzner gelegt, für rund sechzehn Euro im Monat, dazu eine Sicherung mit sieben Tagesständen, die sich per Klick zurückspielen lassen. Erreichbar ist er nur über unser eigenes VPN, aus dem offenen Internet sieht man ihn nicht. Ein Gerät, das man verlieren kann, sollte nur das Fenster sein, nicht der Tresor.

Ist eine Zugriffsregel aktiv, nur weil das System das Speichern bestätigt hat?

Eine Zugriffsregel ist nicht aktiv, nur weil das System das Speichern bestätigt hat. Ich habe in unserem selbst betriebenen VPN NetBird eine Freigabe mit zwei Regeln in einem Schritt angelegt, eine für die Fernwartung, eine für eine zweite Verbindungsart. Die Antwort war eine Erfolgsmeldung, gespeichert wurde nur die erste, die zweite verschwand ohne jeden Hinweis. Seitdem lege ich jede Regel einzeln an und sehe danach auf dem Zielgerät nach, was wirklich gilt. Eine Bestätigung sagt, dass die Anfrage ankam, nicht, was daraus wurde.

Heißt eine Erfolgsmeldung, dass eine Zugriffsregel auch wirklich gespeichert wurde?

Eine Erfolgsmeldung heißt noch lange nicht, dass eine Zugriffsregel auch wirklich gespeichert wurde. Beim Einrichten unseres Firmen-VPNs mit NetBird habe ich eine Regel mit zwei Teilen angelegt, einen für die Fernwartung und einen für die mobile Verbindung. Das System meldete sauber Erfolg, gespeichert hatte es aber nur den ersten Teil, der zweite war still verschwunden. Seitdem lege ich jede Regel einzeln an und prüfe danach am Gerät selbst, was wirklich gilt. Ein Häkchen sagt nur, dass der Auftrag angekommen ist, nicht dass er ausgeführt wurde.

Warum klebte unser Dokumentenarchiv plötzlich mehrere Belege zu einem zusammen?

Unser Dokumentenarchiv klebte Belege zusammen, weil es kopierte Trennblätter nicht mehr erkannte. Seit dem 23. September rutschte etwa jedes vierte Trennblatt durch, und bis zum 29. waren es 389 Dokumente mit jeweils mindestens zwei Belegen darin. Auf den nachkopierten Blättern war der QR-Code so blass und körnig gedruckt, dass die Erkennung daran scheiterte. Vorher gab es keinen einzigen Fall. Für den Menschen sieht eine Kopie aus wie das Original, für die Maschine ist sie ein anderes Blatt.

Woran merkt man, ob wirklich alle Dateien auf dem zentralen Server liegen?

Ob wirklich alle Dateien zentral liegen, merkt man erst, wenn ein leerer Rechner alles von dort holen muss. Beim Einrichten unseres dritten Arbeitsplatzes zeigte sich, dass 201 Firmware-Dateien einer Wallbox nie auf unserem Forgejo-Server angekommen waren, sie lagen nur auf meinem Mac. Dort sah alles vollständig aus, denn der Mac hatte sie ja. Wäre er ausgefallen, wären sie weg gewesen. Ein Rechner, der alles hat, beweist nichts, erst der leere zeigt, was fehlt.

Kann ein bisschen Schmutz auf dem Scannerglas die Texterkennung verschlechtern?

Schon ein bisschen Schmutz auf dem Scannerglas kann die Texterkennung spürbar verschlechtern. An unserem Scantag zog Schmutz auf dem Einzugsglas ab dem späten Vormittag eine einen Pixel dünne Linie durch etwa die Hälfte der Seiten. Sie zerschnitt genau die Wörter, an denen die Software den Rechnungsbetrag findet, und die Quote erkannter Beträge fiel von dreiundsiebzig auf sechsunddreißig Prozent. Immerhin blieb das Feld leer statt falsch. Ein geputztes Glas ist die billigste Datenqualität, die es gibt.

Darf man die Trennblätter für den Dokumentenscanner einfach kopieren?

Trennblätter für den Scanner sollte man nicht einfach kopieren, denn eine Kopie ist für die Maschine nicht dasselbe wie das Original. Ab dem 23. September waren bei uns kopierte Blätter im Umlauf, deren blassgrauen Code die Software in rund jedem fünften Fall übersah. In einer Woche klebten so 388 Scans aus mehreren Belegen zusammen. Seit die Erkennung mit härterem Kontrast ein zweites Mal hinschaut, findet sie alle 585 Trennseiten. Was das Auge noch lesen kann, ist für die Maschine oft schon verschwunden.