benjamin weinlich

Journal · Fragen · Seite 5 von 16

Fragen & Antworten.

Kurze, konkrete Antworten auf echte Fragen aus dem Betrieb. Jede Notiz löst ein reales Problem.

Soll eine Überschrift schön klingen oder gesucht werden?

Eine Überschrift soll gesucht werden, nicht schön klingen. Zwei meiner Artikel über Loco-Soft ranken für nichts, obwohl über dreitausendvierhundert Betriebe mit dieser Software arbeiten und es im Netz keine unabhängige Anleitung dazu gibt. Der Fehler lag nicht am Inhalt, sondern am Titel: Ich hatte eine Geschichte übertitelt, statt die Frage hinzuschreiben, die ein Nutzer abends wirklich eintippt. Ein Text, den niemand sucht, ist kein Ratgeber, sondern ein Tagebuch.

Wie überwacht man einen Rechner, den der Überwachungsserver gar nicht erreicht?

Einen Rechner, den der Überwachungsserver nicht erreicht, überwacht man andersherum: er meldet sich von selbst. Unser Uptime Kuma steht außerhalb des Werkstattnetzes und kommt an den Prüfstands-PC für die Abgasuntersuchung nicht heran. Also läuft dort alle fünf Minuten eine kleine Prüfung und schickt ein Lebenszeichen nach draußen; bleibt es aus, schlägt die Überwachung Alarm. Wer nicht angerufen werden kann, muss selbst anrufen.

Was taugt eine Überwachung, die nur läuft, solange jemand angemeldet ist?

Eine Überwachung, die nur läuft, solange jemand angemeldet ist, fällt genau dann aus, wenn man sie braucht. Unser Empfangsprogramm für die Abgasuntersuchung startet mit der Benutzersitzung, und meine erste Prüfaufgabe hing an derselben Sitzung. Meldet sich abends jemand ab, wären beide still gewesen, und Stille sieht aus wie Ruhe. Jetzt läuft die Prüfung als Systemaufgabe, unabhängig von der Anmeldung, und zeigte beim Test knapp acht Tage ununterbrochenen Empfang. Ein Wächter, der mit dem Bewachten einschläft, ist keiner.

Was darf eine KI wissen, die öffentlich für den Betrieb spricht?

Eine KI, die öffentlich spricht, darf nur wissen, was auch öffentlich gesagt werden darf. Ich baue gerade einen Interviewer, der mich vor der Kamera befragt, und der eigentliche Hebel war nicht die Technik, sondern das Vorwissen: echte Projekte, harte Zahlen, eigene Fehlschläge, etwa 819 statt 1.176 verarbeiteter Dokumente. Deshalb gilt bei mir eine einfache Regel: Was im Briefing steht, kann die Maschine aussprechen, also stehen dort keine Kundennamen und keine Kennzeichen. Was eine Maschine weiß, sagt sie irgendwann, und selten im passenden Moment.

Warum sehe ich bei einem weitergeleiteten Anruf nicht die Nummer des Kunden?

Bei einem weitergeleiteten Anruf fehlt die Nummer des Kunden, weil die Telefonanlage nach außen ein zweites Gespräch aufbaut und der Anbieter fremde Absendernummern durch die eigene Hauptrufnummer ersetzt. Auf dem Zielgerät stand deshalb jedes Mal unsere eigene Nummer, ein Rückruf war unmöglich. Geholfen hat eine einzige Einstellung im SIP-Konto, die die Umleitung dem Netz des Anbieters überlässt statt der Anlage. Dafür verlässt der Anruf die Anlage ganz, die eigene Voicebox fängt ihn nicht mehr auf. Wo eine Umleitung passiert, entscheidet, was unterwegs verloren geht.

Schadet eine alte Firmen-Website, die noch online steht?

Eine alte Firmen-Website, die noch online steht, schadet, weil sie der neuen Konkurrenz macht. Bei mir liefen zwei Adressen aus der Vergangenheit weiter, eine alte Marken-Domain und eine alte WordPress-Seite, beide mit meinem Namen und sehr ähnlichen Texten. Für eine Suchmaschine sind das zwei Personen, die um dieselbe Aufmerksamkeit ringen. Ich habe jetzt nachgemessen: beide antworten mit einer dauerhaften Weiterleitung auf die eine Seite. Zwei Stimmen mit demselben Namen sind leiser als eine.

Was bleibt auf dem Sicherungsziel liegen, wenn eine Übertragung mittendrin abbricht?

Wenn eine Übertragung mittendrin abbricht, bleibt eine unbrauchbare Datei liegen, die von außen aussieht wie eine fertige Sicherung. Bei uns scheiterte der nächtliche Offsite-Lauf beim Schreiben eines 3,4 Gigabyte großen Archivs auf die Storage Box am Arbeitsspeicher, und danach lag die Datei dort mit falscher Prüfsumme und einem Änderungsdatum aus dem Jahr 1970. Seitdem vergleicht das Skript nach jedem Lauf die Prüfsummen auf dem Ziel und meldet sich, wenn eine nicht passt. Eine halbe Kopie ist gefährlicher als keine, weil sie den Platz der ganzen einnimmt.

Warum kopierte unser Offsite-Lauf jede Nacht die Sicherung vom Vortag?

Unser Offsite-Lauf kopierte die Sicherung vom Vortag, weil er startete, bevor die Sicherung des laufenden Tages fertig war. Der Container-Server schreibt seine Archive bis kurz nach fünf Uhr morgens, der Abholer lief um vier, beide Seiten grün, und die Kopie außer Haus hinkte strukturell vierundzwanzig Stunden hinterher. Dazu rechnete die eine Maschine in Weltzeit und die andere in Sommerzeit. Wer zwei Automatiken hintereinander hängt, muss wissen, wann die erste fertig ist, nicht nur dass sie läuft.

Erfasst eine Sammeländerung wirklich alle Datensätze?

Eine Sammeländerung erfasst nur die Datensätze, die das Programm überhaupt anzeigt. Ich hatte in Uptime Kuma alle Überwachungen auf einen E-Mail-Kanal umgestellt und fand fünf Tage später sechs weitere, die in keiner Liste und in keiner Abfrage auftauchten, weil ihnen in der Datenbank ein Feld fehlte. Einer davon stand seit Wochen auf rot, ohne dass es jemand sah. Seitdem zähle ich nach jeder Sammelaktion gegen die Datenbank, nicht gegen die Liste. Was ein Programm nicht anzeigt, hat man auch nicht geändert.

Wo sollte eine Betriebs-KI ansprechbar sein, in einem eigenen Programm oder im laufenden Auftrag?

Ansprechbar sein sollte eine Betriebs-KI dort, wo die Arbeit ohnehin läuft, nicht in einem weiteren Programm. Seit heute bekommt bei uns jeder offene Loco-Soft-Werkstattauftrag automatisch einen eigenen Chat-Raum, in dem unsere KI sitzt, und ein kleiner Dienst gleicht alle fünf Minuten ab, welche Aufträge offen sind. Der Kollege muss nichts suchen und nichts erklären, der Raum weiß bereits, um welches Fahrzeug es geht. Ein Werkzeug, das man erst aufrufen muss, benutzt am Ende niemand.

Wird eine KI im Betrieb zwangsläufig zur Leistungskontrolle der Mitarbeiter?

Zur Leistungskontrolle wird eine KI im Betrieb nur, wenn man sie so baut. Unsere eigene Werkstatt-KI liest die offenen Loco-Soft-Aufträge mit, aber ihre Datenbank hat bewusst kein einziges Feld für Tempo, Fehlerquote oder die Bewertung einer Person, und sie schreibt nichts nach Loco zurück. Das haben wir schriftlich festgehalten, damit es auch in zwei Jahren niemand versehentlich anders entscheidet. Was gar nicht erst gespeichert wird, kann später niemand gegen einen Mitarbeiter verwenden.

Wie oft muss sich eine Automatik melden, damit man ihr Schweigen ernst nimmt?

Melden muss sich eine Automatik seltener, als man zuerst denkt, sonst schlägt der Wächter Alarm, wenn gar nichts ist. Für unsere nächtlichen Abläufe habe ich in Uptime Kuma Wächter eingerichtet, bei denen sich der Ablauf selbst meldet statt abgefragt zu werden. Er läuft alle fünf Minuten, der Wächter wartet aber fünfzehn, bevor er Alarm gibt. So übersteht ein einzelner Aussetzer die Prüfung, ein echter Stillstand nicht. Ein Alarm, dem man nicht mehr glaubt, ist schlimmer als keiner.

Was bedeutet es, wenn alle Überwachungs-Meldungen gleichzeitig verstummen?

Wenn alle Überwachungs-Meldungen gleichzeitig verstummen, ist selten jeder Job kaputt, sondern der gemeinsame Weg. Bei uns war die automatische Zertifikats-Erneuerung stillgelegt, das Zertifikat lief ab, und danach kam acht Tage lang keine einzige Erfolgsmeldung mehr bei Uptime Kuma an: 783 Warnungen aus einer einzigen Ursache. Die Sicherungen liefen die ganze Zeit sauber, nur sagen konnte es niemand mehr. Wer viele Alarme auf einmal sieht, sucht zuerst das, was sie alle gemeinsam haben.

Beweist ein grünes Backup, dass die Kopie auch außer Haus liegt?

Ein grünes Backup beweist nicht, dass die Kopie außer Haus liegt, sondern nur, dass die Sicherung geschrieben wurde. Bei uns lief der Job monatelang sauber, während die Übertragung auf den externen Speicher stillstand, weil der Schlüssel dort nicht mehr akzeptiert wurde. Aufgefallen ist es erst beim Nachziehen: 107 Gigabyte auf einen Schlag. Seitdem meldet nicht nur jeder Job, sondern auch jeder Transfer, dass er angekommen ist. Erst die Kopie am zweiten Ort ist die Sicherung.

Was muss beim Umzug eines Systems wirklich auf den neuen Server?

Auf den neuen Server muss nur, was sich nicht wiederherstellen lässt. Als wir unser Dokumentenarchiv Paperless auf eine eigene Maschine umgezogen haben, sind die zwölf Gigabyte Originaldateien in gut zwei Minuten mitgegangen. Den dreiundzwanzig Gigabyte großen Suchindex habe ich bewusst zurückgelassen, weil die neue Version ihn ohnehin selbst neu aufbaut. Ein Umzug wird leicht, wenn man vorher trennt, was Original ist und was nur Abbild.

Zwei Umbauten in einem Wartungsfenster oder lieber nacheinander?

Zwei Umbauten gehören in ein Wartungsfenster, wenn für beide derselbe Rückweg gilt. Geplant hatte ich den Umzug unseres Dokumentenarchivs auf eigene Hardware und den Versionssprung getrennt, gemacht habe ich beides an einem Freitagabend in sechs Minuten Ausfall, mit einem vollständigen Abzug der PostgreSQL-Datenbank als Rückfallpunkt davor. Zwei Fenster hätten doppelt gestört und nicht mehr Sicherheit gebracht. Über das Risiko entscheidet nicht die Zahl der Änderungen, sondern ob man zurückkann.

Warum griff eine eingerichtete Speicher-Grenze im Ernstfall nicht?

Die eingerichtete Speicher-Grenze griff im Ernstfall nicht, weil sie ohne Zeitlimit auf das Ende laufender Anfragen wartete. In unserem Dokumentenarchiv Paperless sollte ein Prozess oberhalb von einem Gigabyte sanft ersetzt werden, doch unter dem Dauerstrom eingehender Akten-Scans wartete der Austausch geduldig, während der Prozess binnen Minuten auf vier bis sechs Gigabyte wuchs und das System ihn schließlich hart beendete. Seit der Austausch nach 45 Sekunden erzwungen wird, hält die Grenze auch unter Last. Eine Grenze ohne Frist ist keine Grenze, sie ist eine Bitte.

Alles auf den einen großen Server ziehen oder verteilt bleiben?

Alles auf den einen großen Server zu ziehen wäre billiger gewesen, und trotzdem bleiben wir verteilt. Wir haben bei Hetzner ein gebrauchtes Blech mit 256 GB Arbeitsspeicher für hundertneun Euro im Monat gemietet, ein Vielfaches unserer kleinen Cloud-Maschine fürs gleiche Geld. Aber ein einzelner Rechner ist ein einzelner Ausfallpunkt, fällt er, fällt alles. Also bleibt der Zugang zur Außenwelt auf der Cloud, das Blech trägt nur die schweren Lasten. Der günstigste Server wird teuer, wenn an ihm allein der ganze Betrieb hängt.

Darf ein Dienst sich selbst neu starten, wenn er hängt?

Ein Dienst darf sich selbst neu starten, aber nur mit fester Bremse und nur als Schadensbegrenzung, nicht als Reparatur. Unser Dokumentenarchiv Paperless war wegen eines bekannten Speicherlecks erst sieben Stunden, dann noch einmal anderthalb Stunden nicht erreichbar, bis jemand den Container von Hand neu startete. Jetzt prüft ein kleiner Wächter alle zwei Minuten den Zustand und startet höchstens einmal in zehn Minuten neu, aus Stunden werden so drei bis vier Minuten. Die Ursache beheben wir trotzdem, der Wächter kauft nur die Zeit bis dahin.

Woran erkennt man ein Duplikat sicher, am Dateinamen oder am Inhalt?

Ein Duplikat erkennt man sicher an der Prüfsumme des Inhalts, nicht am Dateinamen. Beim Aufräumen doppelt eingespielter Belege in Paperless fiel mein Skript, als der genaue Abgleich ins Leere lief, auf den Titel zurück und löschte vier echte Rechnungen über einen Fahrzeugverkauf. Zurückgeholt habe ich sie aus dem Papierkorb, der 613 Einträge lang war. Seitdem vergleicht es nur noch über die Prüfsumme, und fehlt die, hält es an, statt zu raten. Zwei Namen ähneln sich leicht, zwei Inhalte nie.